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Öl- und Gasheizungen

Worauf müssen Verbraucher aktuell achten?

Seit 2004 verpflichtet die Energiesparverordnung (EnEV) Bauherren dazu gewisse Energiegrenzwerte im Eigenheim einzuhalten. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaushalt in Deutschland entfallen rund 70 Prozent des Energiebedarfs auf die Heizung und die Warmwasserbereitung. Demnach hat die Heiztechnik – und damit auch das Heizen mit fossilen Energieträgern wie Öl und Gas- maßgeblich Einfluss auf den Energieverbrauch in Ihrem Haushalt.

Eine zentrale Frage ist dabei wie Öl- und Gasheizungen dazu beitragen, die Vorgaben der EnEV zu erfüllen. Damit Sie Ihre Rechte und Pflichten von Anfang an im Blick haben, erfahren Sie in unserem kompakten Überblick was Sie beim Heizen mit Öl und Gas im Neu- und im Altbau aktuell zu beachten haben.

Öl- und Gasheizungen im Neubau

Öl- und Gasheizungen

Öl- und Gasheizungen


Bauherren, die ein neues Haus bauen unterliegen nicht nur bei der Warmwasserbereitung oder bei der Installation einer Lüftungsanlage, sondern auch bei der Heizung den Forderungen der EnEV. Sie legt die energetisch einzuhaltenden Grenzwerte fest, die beim Neubau oder bei größeren Sanierungsvorhaben wie beispielsweise einer Fassadendämmung in Kombination mit einem Fenster- und oder Heizungsaustausch einzuhalten sind. Fakt ist: Die technischen Anforderungen an die Heizung und die Anlagentechnik steigen. Im Folgenden stellen wir Ihnen die aktuellen Vorgaben für Besitzer von Neubauten vor:

Neuerungen ab 2016

Zum 01.01.2016 wurde die EnEV nochmals angepasst und die Einhaltung der zulässigen Grenzwerte verschärft. Denn in der aktuellen Fassung von 2016 muss der Primärenergiebedarf im Vergleich zur EnEV aus dem Jahre 2014 um weitere 25 Prozent gesenkt werden. Dies gilt für alle Neubauten, dessen Baugenehmigung nach dem 01.01.2016 aufgesetzt wurde. Ein Gebäude, das 2016 errichtet wird, darf also deutlich weniger Energie aufwenden als ein Haus, das nach den Mindestwerten von 2015 errichtet wurde.

Der Primärenergiebedarf bezeichnet nicht nur den tatsächlichen Verbrauch an Energie, sondern auch die Gewinnung, den Transport und die Umwandlung des Brennstoffs. Ein Primärenergiebedarf mit EnEV-Konformität wird durch Dämmmaßnahmen oder die Verwendung regenerativer Heiztechnik erreicht. In einem umfangreichen Verfahren mit verschiedenen Faktoren wird der Primärenergiebedarf berechnet. Ein wichtiger Bestandteil ist der Primärenergiefaktor.

Brennstoffe mit niedrigerem Primärenergiefaktor

Um den Primärenergiebedarf genau zu berechnen, berücksichtigt der Energieberater bei der dessen Ermittlung zusätzlich den Primärenergiefaktor der eingesetzten Verfeuerungsmaterie wie zum Beispiel Öl oder Gas. Je kleiner dieser ausfällt, umso umweltschonender und effizienter ist der Einsatz der Energie von der Gewinnung bis zum letztendlichen Verbrauch. Die jeweils geltenden Faktoren werden länderspezifisch festgelegt. In Deutschland gelten folgende Werte:

Gas und Öl erhalten als fossile Brennstoffe den Faktor 1,1 und weisen damit höhere Werte als umweltfreundliche Heizungen auf. Denn Wärmepumpen oder Solarthermie werden mit einem Faktor von 0 bewertet.[1] Holz hat einen Primärenergiefaktor von 0,2. Neubauten bei denen Heizungen mit erneuerbaren Energien eingesetzt werden haben also niedrige Primärenergiefaktoren und erfüllen die Vorgaben an den Primärenergiebedarf pro Jahr.

Mit Hybridsystemen auf der sicheren Seite sein

Öl und Gasheizungen haben es in Neubauten mittlerweile hingegen schwer den Vorgaben der EnEV ohne eine Kombination mit ökologischen Heizungen umfassend gerecht zu werden. Dies zeigt folgendes Beispiel: Neubauten, die die Mindestanforderungen der EnEV gerade noch einhalten benötigen für die Beheizung ca. 51 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Für ein Einfamilienhaus entspricht das einem jährlichen Verbrauch von etwa 630 Litern Heizöl.[2] Mit einer Ölheizungen wären die Vorgaben damit nicht erfüllt, denn ein Einfamilienhaus mit einer Fläche von 160 Quadratmetern und dem Niedrigenergiestandard KfW 70 verbraucht ca. 960 Liter Heizöl.[3] Daher raten Energieberater in der Regel zu Hybridsystemen, die sich zum Beispiel aus einer Öl- oder Gasbrennwerttherme und einer Solarthermie oder Wärmepumpe zusammensetzen. Wer auf erneuerbare Energien bei der Beheizung verzichten möchte, kann einen Ausgleich mit entsprechenden Dämmmaßnahmen schaffen. Die Dämmung muss sich im Endergebnis um mindestens 15 Prozent verbessern.

Interessante Fakten und Vorteile von Gas- oder Ölbrennwertheizungen erhalten sie auch auf der Seite von Kesselheld.

Öl- und Gasheizungen im Altbau

Die EnEV legt Bauherren und Immobilieneigentümern in Bestandsgebäuden Nach- und Umrüstungspflichten für alte und ineffiziente Öl- und Gasheizungen auf. Seit 2015 sind 30 Jahre alte Kessel gegen moderne Heizungsanlagen wie Öl- oder Gasbrennwertgeräte, Solarthermie oder Wärmepumpen auszutauschen. Wie alt Ihre Heizungsanlage ist, erkennen Sie anhand des Typenschildes. Häufig macht es auch Sinn neben dem Kessel gleichzeitig veraltete Rohre und alte Heizungspumpen auszutauschen. Alte Rohrleitungen verursachen erhebliche Wärmeverluste und technisch überholte Pumpen verbrauchen viel Strom. Mit einer modernen Hocheffizienzpumpe ergeben sich in neugebauten

[1]Quelle:https://www.wvv.de/de/home/energie_und_wasser/energiewasser_privatkunden/energiewasser_p_wissenswertes/primaerenergiefaktor/primrenergiefaktor_2.jsp
[2]Quelle:https://www.verbraucherzentrale.de/enev
[3]Quelle:http://www.energiesparen-im-haushalt.de/energie/bauen-und-modernisieren/modernisierung-haus/heizung-modernisieren/heizungsanlage-erneuern/oelheizung-erneuern/heizoelverbrauch-durchschnitt.html

Einfamilienhäusern laut einer Simulationsrechnung der technischen Universität Dresden Brennstoffeinsparungen von ca. 22 Prozent.[1]

Für welche Heizungsart gilt diese Austauschpflicht?

Die Austauschpflicht bezieht sich allerdings lediglich auf Konstanttemperaturkessel und solche Wärmeerzeuger mit einer Nennleistung von mindestens 4 bis höchstens 400 Kilowatt. Wer einen Niedertemperatur- oder einen Brennwertkessel installiert hat, braucht nicht zu modernisieren. Folgen Verbraucher ihrer Austauschpflicht nicht, erhalten Besitzer einer austauschpflichtigen Heizung zunächst einen schriftlichen Hinweis des Schornsteinfegers. Dieser enthält eine Frist, bis wann der Austausch zu erfolgen hat. Läuft diese ab meldet der Schornsteinfeger die alte Anlage der Aufsichtsbehörde. Die Verweigerung der Modernisierung wird mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 50.000 Euro abgestraft. Von dieser Regel ausgenommen sind Ein- und Zweifamilienhäuser, die bereits vor Februar 2002 selbst bewohnt werden.

Was bringt die Modernisierung in Bestandsgebäuden?

Wer seine alte Öl- oder Gasheizung gegen moderne Brennwerttechnik austauscht, vermeidet Energieverluste, die bei alten Anlagen durch veraltete Rohrleitungen, Abgasverluste und fehlende Außentemperaturfühler bedingt sind. Denn Brennwertgeräte arbeiten mit moderner Technik, die sich das Prinzip der Wärmerückgewinnung zu Nutze macht. Während Niedertemperaturkessel lediglich die Wärme nutzen, die bei der Verbrennung von Erdgas oder Heizöl entsteht verwenden zum Beispiel Gasbrennwertheizungen das Wasserdampfkondensat in den heißen Abgasen. Bei herkömmlichen Heizungen werden diese ungenutzt und mit hohen Temperaturen an die Umwelt abgegeben. Damit wird nicht nur wertvolle Energie aus dem Schornstein verfeuert, sondern auch Geld verschenkt. Wer Brennwerttechnik einsetzt, schont daher nicht nur die Umwelt, sondern auch den eigenen Geldbeutel.

Seit August 2016 Zuschuss bei der Heizungsoptimierung

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert seit dem 1. August den Austausch alter Heizungspumpen und die Optimierung der Heizungsanlage. Es werden 30 Prozent der veranschlagten Kosten erstattet.

Kennzeichnungspflicht mit Energielabel

Aktuell ist die Anbringung des Energieeffizienzlabels noch freiwillig. Ab 2017 sind Schornsteinfeger allerdings dazu verpflichtet den Heizkörper mit diesem Label zu versehen. Diese Pflicht betrifft Heizungen, die älter als 29 Jahre alt sind. Bis 2024 sollen alle Kessel über 15 Jahre diese Kennzeichnung tragen.

Ein Gastbeitrag von Kerstin Bruns von Kesselheld

[1]Quelle:http://ish2011.bdh-koeln.de/pdf/vortrag107_bdh_hocheffizienzpumpen.pdf Seite 33





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